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Mit der Übernahme von Dremio schlägt SAP ein neues Kapitel in der Unternehmensarchitektur auf — und gibt eine klare Antwort auf die drängendste Frage im KI-Zeitalter: Wer die Datenbasis kontrolliert, kontrolliert die Intelligenz.

Q3 2026 Erwarteter Abschluss der Transaktion
> 1 Mrd. € Geplante Investition in Prior Labs (paralleler Deal)
3 OS Open-Source-Säulen: Apache Iceberg, Polaris & Arrow

Kontext

Warum KI-Projekte scheitern — und was das mit Daten zu tun hat

Die meisten Unternehmen kämpfen nicht mit der KI selbst. Sie kämpfen mit dem, was darunter liegt: fragmentierten Daten, proprietären Formaten und dem fehlenden Geschäftskontext, der aus rohen Zahlen erst verwertbare Erkenntnisse macht. Dieser strukturelle Engpass ist der Grund, warum so viele KI-Pilotprojekte scheitern — nicht technologisch, sondern datentechnisch.

SAP hat dieses Problem nun mit einer strategischen Weichenstellung adressiert: Die Übernahme von Dremio, einer hochperformanten, offenen Data-Lakehouse-Plattform, die speziell für agentische KI-Workloads entwickelt wurde.

„Unternehmens-KI scheitert nicht an den Modellen, sondern an den Daten. Solange Geschäftsdaten fragmentiert und ohne Kontext bleiben, können KI-Agenten ihr Potenzial nicht entfalten. Dremio beseitigt genau diesen Engpass."

Philipp Herzig, CTO SAP

Was Dremio mitbringt

Eine Plattform gebaut für das KI-Zeitalter

Dremio ist kein gewöhnliches Data-Warehouse-Tool. Die Plattform ermöglicht es, Daten direkt aus Cloud-Speichern abzufragen und zu analysieren — ohne ETL-Pipelines, ohne Datenbewegung, ohne Duplikation. Was das in der Praxis bedeutet: kürzere Time-to-Insight, geringere Infrastrukturkosten und ein deutlich schlankeres Datenökosystem.

Die Architektur ist serverless und elastisch: Sie skaliert automatisch bei Nachfragespitzen und fährt wieder zurück, wenn die Last sinkt — ohne feste Kapazitätsgrenzen, ohne Performance-Engpässe im kritischen Moment.

Technologische Kernstärken von Dremio
  • Federierte Abfragen aus beliebigen Quellen ohne ETL-Pipelines
  • KI-Semantic-Layer mit Geschäftskontext für alle Agenten und Nutzer
  • Iceberg-native Architektur auf Apache Polaris und Apache Arrow
  • Selbstverwaltender Lakehouse: Clustering, Optimierung und Kompaktierung laufen autonom
  • Serverless & elastisch — keine Fixkapazität, kein Performance-Deckel

Strategische Bedeutung

Was SAP wirklich kauft: Offenheit als Wettbewerbsvorteil

Es wäre zu kurz gegriffen, die Akquisition nur als technologischen Zukauf zu verstehen. SAP kauft auch eine Positionierung: Dremio ist einer der führenden Stewards von Open-Source-Projekten, die das moderne Datenfundament definieren — Apache Iceberg als das offene Tabellenformat, Apache Polaris als Katalog-Standard und Apache Arrow als Speicherformat für Hochleistungsanalysen.

SAP hat angekündigt, diese Open-Source-Beiträge nicht nur fortzuführen, sondern aktiv auszubauen. Das ist strategisch klug: In einem Markt, der zunehmend auf Interoperabilität setzt, positioniert sich SAP als Hüterin offener Standards — und entzieht damit Konkurrenten das Argument, SAP sei ein proprietäres Silo.

„SAP wird einen universellen, offenen Katalog auf Basis von Apache Polaris und der offenen Apache Iceberg REST Catalog API aufbauen — als Entdeckungs- und Semantikschicht der SAP Business Data Cloud."

SAP Pressemitteilung, Mai 2026

Potenziale

Fünf Hebel, die die Übernahme freisetzt

Strategische Mehrwerte im Überblick
  • Unified Data Fabric: SAP- und Nicht-SAP-Daten laufen künftig auf einer konsistenten, semantisch angereicherten Ebene zusammen — Grundvoraussetzung für unternehmensweite KI-Agenten.
  • SAP Knowledge Graph: Dremios Katalog wird das Fundament des SAP Knowledge Graph, der Geschäftsbeziehungen, Hierarchien, regulatorische Klassen und Cross-System-Lineage als native Eigenschaften abbildet.
  • Skalierbare Analytik ohne Silos: Kunden können alle Datenquellen — on-premise, multi-cloud, Drittanbieter — ohne Umwege direkt abfragen.
  • Governance & Erklärbarkeit: Vollständige Datenherkunft (Lineage) macht KI-Entscheidungen nachvollziehbar und auditierbar — ein entscheidender Faktor für Compliance in regulierten Branchen.
  • Ökonomie der Analytik: Das serverlose Modell senkt die Betriebskosten erheblich, weil keine Fixkapazitäten vorgehalten werden müssen.

Einordnung

Auswirkungen auf den Markt und SAP-Kunden

Für bestehende SAP-Kunden bedeutet die Übernahme vor allem eines: Ihre Datenstrategie wird einfacher. Die bislang mühsame Integration von SAP-Kernsystemen mit externen Datenquellen — Data Lakes, Hyperscaler-Speicher, SaaS-Applikationen — rückt näher an eine nahtlose Realität heran. KI-Agenten, die in SAP-Prozessen agieren, erhalten Zugriff auf einen einheitlichen, kontextualisierten Datengraphen.

Für den Markt sendet SAP damit ein unmissverständliches Signal: Die Zukunft der Unternehmensplattform ist datenzentrisch, offen und agentisch. Wettbewerber wie Snowflake, Databricks oder Microsoft Fabric müssen ihre eigenen Antworten auf ein SAP-Portfolio geben, das nun von der Anwendungsschicht bis in den Datenkern reicht.

Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: SAP akquiriert Dremio parallel zu Prior Labs — einem Pionier für Tabellarische Foundation Models (TFMs). Beide Deals zusammen zeigen, dass SAP eine vollständige KI-Datenstapel aufbaut: Dremio liefert die Datenbasis, Prior Labs die spezialisierten Modelle für strukturierte Geschäftsdaten.

⚡ Marktdynamik im Blick behalten

Die Übernahme erhöht den Druck auf bestehende Data-Platform-Anbieter erheblich. Unternehmen, die heute noch auf isolierte Datensilos setzen, sollten ihre Architektur-Roadmap jetzt überdenken — bevor SAP das neue Ökosystem vollständig konsolidiert hat.


Offene Fragen

Worauf es jetzt ankommt

Die strategische Logik ist überzeugend. Die Umsetzung ist es, die zählt. Integration ist bei Enterprise-Deals der härteste Teil — technologisch wie kulturell. Dremio als eigenständige Einheit weiterzuführen (wie bei Prior Labs angekündigt) ist ein guter erster Schritt, der Innovationsgeschwindigkeit sichern soll.

Entscheidend wird sein, wie schnell SAP die Dremio-Kapazitäten in bestehende Kundenprozesse einbettet und welche Migrationspfade für SAP HANA Cloud-Kunden entstehen. Wer heute eine SAP-Datenstrategie plant, sollte die Roadmap genau beobachten — denn nach dem Closing im dritten Quartal 2026 dürfte die Produktintegration das zentrale Thema der SAP TechEd werden.

Für SAP-Kunden gilt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die eigene Datenstrategie auf den Prüfstand zu stellen und zu evaluieren, wie die neuen Dremio-Kapazitäten die eigene KI-Roadmap beschleunigen können.


Quellen: SAP News Center (04.05.2026) · dpa-AFX · RTTNews · finanzen.ch · Pressebox. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der regulatorischen Genehmigung. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Angaben zu Produktroadmaps und Integrationszeitplänen basieren auf öffentlichen SAP-Ankündigungen und können sich ändern.

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